
Bei plötzlichem Herzstillstand geht es um jede Minute, manchmal Sekunde, dass Hilfe beim Patienten ist. Mit der guten Funknetzabdeckung können Helfer direkt aus der Umgebung schnell erreicht werden. So schnell kann kein Rettungsdienst sein. Genau da setzt das KATRETTER System an. In Märkisch-Oderland werden Helfer gesucht, die im Notfall schnell vor Ort sind und Reanimationen durchführen können, bis der Rettungsdienst vor Ort ist. Wer hier helfen will kann sich einfach melden katretter@rdmol.de . Die Infos hierzu erhielten wir von Morris Konstantin von der Rettungsdienst MOL GmbH.
KATRETTER - erklärt:
Das smartphonebasierte Ersthelfersystem KATRETTER verfolgt das Ziel, Ersthelferinnen und Ersthelfer bei zeitkritischen Notfällen frühzeitig zu alarmieren, um die therapiefreie Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken. Insbesondere bei einem Herz Kreislauf Stillstand ist ein schneller Beginn von Wiederbelebungsmaßnahmen entscheidend für das Überleben der Betroffenen. Von zentraler Bedeutung ist dabei, dass innerhalb der ersten fünf Minuten nach dem Kreislaufstillstand mit einer effektiven Herzdruckmassage begonnen wird.
Seit seiner Einführung im Oktober 2022 hat sich das System im Landkreis Märkisch Oderland etabliert und zeigt eine kontinuierlich steigende Akzeptanz. Dies spiegelt sich sowohl in der wachsenden Zahl registrierter Ersthelferinnen und Ersthelfer als auch in der zunehmenden Anzahl erfolgreich begleiteter Einsätze wider.
Sobald in der Regionalleitstelle ein entsprechender Notruf eingeht, werden bei definierten Einsatzstichworten, insbesondere bewusstlose Person mit oder ohne Atmung sowie Reanimation, zusätzlich geeignete Ersthelferinnen und Ersthelfer über das KATRETTER System alarmiert. Die Auswahl erfolgt GPS basiert anhand der räumlichen Nähe zum Einsatzort. Innerorts werden Ersthelferinnen und Ersthelfer in einem Umkreis von etwa 500 Metern, außerorts bis zu 1000 Metern Luftlinie berücksichtigt. In der Regel werden bis zu drei Ersthelferinnen und Ersthelfer gleichzeitig alarmiert.
Befinden sich geeignete Ersthelferinnen und Ersthelfer im entsprechenden Umkreis, erhalten sie eine Alarmierung per Push Nachricht auf ihr Smartphone. Nach Annahme des Einsatzes werden alle relevanten Einsatzinformationen sowie eine Navigation zum Einsatzort bereitgestellt. Die alarmierten Ersthelferinnen und Ersthelfer übernehmen je nach Situation unterschiedliche Aufgaben, beispielsweise die unmittelbare Erstversorgung oder das Heranführen eines automatisierten externen Defibrillators.
Die Entscheidung zur Einsatzübernahme erfolgt freiwillig und situationsabhängig. Parallel zur Alarmierung der KATRETTER wird in jedem Fall der reguläre Rettungsdienst alarmiert.
Die Alarmierung erfolgt ausschließlich bei definierten Notfallbildern, insbesondere bei Verdacht auf einen Herz Kreislauf Stillstand oder vergleichbaren lebensbedrohlichen Situationen. Die Häufigkeit ist abhängig vom Einsatzaufkommen.
Sowohl die Registrierung als auch die Teilnahme an Einsätzen erfolgt vollständig auf freiwilliger Basis. Wenn keine Zeit oder Möglichkeit zur Unterstützung besteht, kann ein Alarm jederzeit abgelehnt oder ignoriert werden. Wichtig ist, dass durch die Annahme eines Einsatzes keine anderen Verpflichtungen vernachlässigt werden.
Eine dauerhafte Ortung findet nicht statt. Erst im Falle einer Alarmierung wird eine grobe Positionsbestimmung durchgeführt, um geeignete Helferinnen und Helfer im Umfeld zu identifizieren. Für die konkrete Alarmierung erfolgt anschließend eine genauere Lokalisierung der Geräte im unmittelbaren Einsatzumfeld.
Während eines Einsatzes besteht gesetzlicher Unfallversicherungsschutz. Grundlage hierfür ist unter anderem Paragraph 13 Absatz 2 des Brandenburgischen Brand und Katastrophenschutzgesetzes. Entstehende Schäden, beispielsweise an persönlicher Ausrüstung oder verbrauchtes Erste Hilfe Material, können im Rahmen der geltenden Regelungen erstattet werden.
Nach Annahme eines Einsatzes sollten sich die Ersthelfenden unverzüglich zum Einsatzort begeben. Ist dies nicht möglich, wird eine entsprechende Rückmeldung über die App empfohlen. Die Teilnahme am Straßenverkehr erfolgt unter Beachtung der geltenden Vorschriften. Sonderrechte bestehen nicht. Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden hat oberste Priorität. Die Maßnahmen am Einsatzort erfolgen im Rahmen der eigenen Fähigkeiten. Den Anweisungen der Leitstelle sowie der eintreffenden Einsatzkräfte ist Folge zu leisten.
Für die Teilnahme am KATRETTER System wird ein persönlicher Registrierungslink benötigt. Die Anmeldung erfolgt aktuell über die E Mail Adresse katretter@rdmol.de Interessierte geben dabei ihren Vor und Nachnamen sowie ihre Qualifikation an, beispielsweise einen Erste Hilfe Kurs, eine medizinische Ausbildung, den Sanitätsdienst oder eine Tätigkeit im Rettungsdienst, um eine passende Einordnung im System zu ermöglichen. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein Mindestalter von 18 Jahren. Nach Eingang der E Mail wird der persönliche Registrierungslink zur Verfügung gestellt, über den die Anmeldung in der App abgeschlossen werden kann. Perspektivisch ist vorgesehen, dass dieser Prozess im Zuge der weiteren Systementwicklung und der überregionalen Vernetzung künftig direkt und automatisiert über die App erfolgen kann.
Für die KATRETTER App stehen aktuell mehrere funktionale Erweiterungen zur Verfügung. Hierzu zählen Push Benachrichtigungen für regionale Nachrichtenkanäle, die Möglichkeit des Alarmabbruchs durch die Leitstelle mit entsprechender Information, die Vorbereitung zur gezielten Alarmierung einzelner Ersthelferinnen und Ersthelfer zur Abholung eines automatisierten externen Defibrillators, ein Alarm Beispiel innerhalb der App zur Übung sowie eine erweiterte Leitstellensuche. Die Selbstregistrierung ist grundsätzlich vorgesehen, befindet sich aktuell jedoch noch in der regionalen Abstimmung. Seit dem 11.02.2026 besteht zudem die Möglichkeit einer länderübergreifenden Alarmierung zwischen Berlin und Brandenburg. Die vollständige Umsetzung wird derzeit vorbereitet. Zusätzlich wurde das Ersthelfersystem ASB SCHOCKT technisch angebunden, um die Verfügbarkeit von Ersthelferinnen und Ersthelfern weiter zu erhöhen.
Im Jahr 2025 wurden insgesamt 440 Einsätze mit dem entsprechenden Einsatzstichwort registriert. Die Alarmierungsquote der KATRETTER konnte auf über 92 Prozent gesteigert werden. Die durchschnittliche Eintreffzeit lag bei sechs Minuten. Gleichzeitig hat sich die Anzahl der registrierten Ersthelferinnen und Ersthelfer auf über 355 erhöht. KATRETTER waren bei 48 Prozent der alarmierten Einsätze vor Ort und konnten ihre Beteiligung deutlich steigern. In 59 Fällen waren Ersthelfende an Reanimationen beteiligt. In 12 Fällen konnte ein eigener Kreislauf wiederhergestellt werden. Insgesamt lag bei 185 Patientinnen und Patienten ein Herz Kreislauf Stillstand vor. 110 wurden reanimiert, bei 24 Personen konnte ein Kreislauf wiederhergestellt werden. Diese Zahlen verdeutlichen die hohe Bedeutung einer frühzeitigen Reanimation. Jede Minute bis zum Beginn der Wiederbelebung beeinflusst die Überlebenschancen entscheidend.